Nach einem ausgiebigen Frühstück in unserem Hotel ging es ab Bad Tölz entlang der Isar zunächst nach Klein Kairo, wo ein lokaler Künstler Flusskiesel zu recht imposanten Steinpyramiden gestapelt hat. Idealer Ort für eine erste Rast, denn meine Beine fühlten sich ziemlich ausgelaugt an. Harry machte sich darüber lustig und betonte den ganzen Tag über, wie fit er sich fühlte und wie gering die Anstrengung für ihn war. So war es auch gedacht: eine kurze Etappe zum gemütlichen Einstieg für Harry und zur Regeneration für mich.
Ab Arschbach, ähm Arzbach, trennte sich unser Weg von der Isar und wir kamen in sehr idyllisches Voralpengebiet mit Weidevieh und einem Bergbach. Der breite Forstweg führte uns immer näher an die Benediktenwand heran und schließlich in Serpentinen den ersten nennenswerten Anstieg hinauf. Wir verabschiedeten uns vom gemütlichen Forstweg und stiegen einen steilen Weg über einen lehmigen und sehr rutschigen Grashang auf den Sattel zur Tutzinger Hütte. Uns kamen Leute entgegengeschlittert, die den Alpenverein für diesen Weg verfluchten, und wir hatten gleich mal Respekt vor den Wegen die da noch so kommen sollten.
Schließlich erreichten wir im Sonnenschein das Ziel der ersten Etappe, die Tutzinger Hütte. Dort genossen wir die urige Bergatmosphäre und den Anblick der Bedediktenwand in der Abendsonne. Außerdem hatten wir das Vergnügen, unser Viererzimmer mit zwei netten Weilheimern zu teilen und wußten gleich mal die Vorzüge von Oropax zu schätzen!
Der folgende Tag bestand aus einem abwechslungsreichen Auf und Ab an der Benediktenwand vorbei und hinunter in die Jachenau. Dieser Weg scheint mir der bei weitem schönste Anstieg auf den Münchner Hausberg, vorbei an einem kolossalen Wasserfall und vielen natürlich geformten Tümpeln, die auf ein Bad einlüden. Wenn es denn Hitze und Sonnenschein gegeben hätte. Besser so, denn wir hatten es auch so trabig, noch vor der Mittagspause den Dorfladen in der Jachenau zu erreichen! So ein Sprint durch den Wald mit schwerem Rucksack hat es in sich und Harry kam das erste Mal ins Schnaufen, endlich!
Wir statteten uns mit Proviant für die kommenden vier Tage aus, denn es würde ja keine weitere Einkaufmöglichkeit mehr folgen. Mit fühlbar mehr Gepäck am Rücken ging es dann bei Sonnenschein den Rißsattel hinauf und auf der Südseite sehr steil aber an einem wunderschönen Grashang mit grandiosem Ausblick ins Rißtal und Karwendel hinein wieder runter.
Am Schluß erreichten wir das Gasthaus in Vorderriß und legten uns noch auf die Schotterbänke der sehr erfrischenden Riß, bis die Sonne hinter Bergen und Wolken verschwand. Nach einem ganzen Tag Wandern gibt es nichts angenehmeres als die Wanderschuhe gegen Flipflops tauschen und die Füße etwas abkühlen zu können!
Ein stärkendes Abendessen und gemütliches Nachtlager sind natürlich auch nicht vernachlässigen. Wenn man denn nette Zimmergenossen hat, aber unsere drehten uns doch tatsächlich beim Carcassonne spielen einfach das Licht ab! Sowas, und meine Gummibärchen wollten sie mir auch klauen! :) Ansonsten waren die drei Münchner und zwei Franken, alles auch Weitwanderer, allerdings sehr angenehm. Etwas vergesslich vielleicht, hatte doch Christian, einer der Franken, sein halbes Equipment am nächsten Morgen am Zimmer vergessen! Sascha musste es ihm nachtragen, doch das ist eine andere Geschichte. Der nächste Tag würde uns schon nach Tirol und ins Karwendel hinein führen!
Mensch Chrisi! Toll wie du deine Träume verwirklichst und jetzt tatsächlich unterwegs bist. Harry ist zu beneiden, dass er dich begleiten kann - auch wenn ihm mal die Füße weh tun :-)
AntwortenLöschenDie Wanderlust hast du wohl von deinem Opa - und dein Papa sieht sich leid, dass er dich nichtmal auf einer Minietappe begleitet hat.
Halt die Ohren steif und die Füße geschmeidig!
Mam und Paps wünschen dir ein gutes Ankommen in Venedig.